Meinung: Bündeln statt Spalten im Hobby Amateurfunk

Das Hobby Amateurfunk befindet sich seit vielen Jahren in einem sehr schwierigen Umfeld. Die Anzahl der Funkamateure nimmt generell ab, die der organisierten Funkamateure, die für eine wirksame Interessenvertretung gegenüber Politik und Wirtschaft besonders wichtig sind, folgt diesem Trend. Um es mal deutlich zu sagen: Der Amateurfunk schrumpft und das auch bei uns in der Region. In diesem Umfeld sind die wenigen Ortsverbände, die im Distrikt Nordrhein des DARC aktive Vereins- und Ausbildungsarbeit machen, von besonderer Bedeutung.

Jeder, der schon mal in einem OV des DARC war, weiss, wie unterschiedlich die „Typen“ dort sind,  manchmal glaubt man gar nicht, dass diese Leute alle an einem Strick ziehen. Aber das macht ja gerade den Reiz aus, denn jeder kann irgendetwas beitragen und die Bündelung von Fähigkeiten, Vorlieben und Interessen führen in der Regel zu einem aktiven Mix, zu einem lebendigen OV. Selbst OM, die ihren Schwerpunkt nicht im aktiven Funkbetrieb haben, bereichern den OV: Sie haben z. B. besonders gute kommunikative Fähigkeiten und präsentieren den OV in der Öffentlichkeit. Oder sie sind gute Netzwerker, finden Ansprechpartner, schaffen es, eine Räumlichkeit für regelmäßige Treffen zu beschaffen und zu betreiben. Wieder andere sind geborene Ausbilder oder haben Fähigkeiten im Bereich von IT-Technik oder Antennenbau. Die Kette ließe sich fortsetzen. So erlebe ich es seit vielen Jahren in meinem Ortsverband, dem Romeo 10 in Mönchengladbach. 

Wenn man nun erlebt hat, wie wichtig in einem „schrumpfenden“ Umfeld die Bündelung von Mitgliedern mit Interessen ist, dann frage ich mich, wie vollkommen irre es ist, neben 5-10 dahin siechenden Ortsverbänden im Distrikt R noch einen neuen R57 zu gründen, der dann wiederum anfängt, den wenigen aktiven und erfolgreichen OV sowohl Mitglieder als auch wichtige Talente, z. B. im Bereich Ausbildung abzuwerben. Und wir sprechen hier nicht davon, dass Mitglieder mal den OV wechseln sonder wir sprechen von aktiver „Kaltakquise“. Damit werden bestehende, gewachsene Ortsverbände, die sich um aktive OV-Arbeit bemühen, geschwächt, denn machen wir uns nichts vor: Ein aktiver OV benötigt immer einen harten Kern, eine positiv kritische Masse an OM, die Aktivitäten voran treiben und die anderen auch mit ziehen.

Meine Einschätzung: Diese OV-Gründung ist völlig daneben, widerspricht dem Hamspirit und entspricht nicht der Intention der DARC Satzung. Ich halte die erteilte Genehmigung für falsch. Sie spaltet die Kräfte im Amateurfunk in unserer Region  und schadet unserem Hobby. Kräfte und Talente bündeln an statt zu spalten, das sollte die Richtung sein. Die Motive und die Hintergründe für eine Genehmigung dieser OV-Gründung stelle ich absolut in Frage. Die handelnden Personen agieren teilweise destruktiv. Meine Hypothese: Nicht das Wohl des Amateurfunks stand hier Pate sondern persönliche Eitelkeiten und die sind kein positiver Treiber für unser Hobby. Es gibt absolut nichts, was ein bestehender OV wie z. B. der Romeo 10 oder der Romeo 05 oder auch noch andere OV im Distrikt R nicht auch bieten könnten und darüber hinaus vieles mehr.

Einer meiner Leitsätze im Hobby lautet: „Freuen wir uns über jede lebendige Aktivität im Amateurfunk.“ Dies gilt hier leider nicht, denn wir müssen bei allen Aktivitäten immer auch die Frage stellen: Wo führt das hin? Ich hoffe, dass der Spaltpilz im Distrikt R überwunden werden kann, daher stellt sich dieser Meinungsbeitrag der Fehlentwicklung „OV Gründung R57“ entgegen. Ich wünsche meinem OV R10 Mönchengladbach und seinen befreundeten Ortsverbänden  viel Erfolg bei allen Aktivitäten und viel Spaß bei der Kooperation mit ebenfalls aktiven und positiven Ortsverbänden in der Nachbarschaft.

73, de Uwe – DL2UL

3 Gedanken zu “Meinung: Bündeln statt Spalten im Hobby Amateurfunk

  1. Hallo Uwe!

    Zwar sind ihre Argumente durchaus lobenswert, allerdings sollte man hier auch Farbe bekennen und festhalten, daß sich der Amateurfunk weltweit aus gutem Grund im Rückzug befindet, weil der für eine konstruktive Weiterentwicklung notwendige Reformwille fehlt. Stattdessen hält man an vollkommen veralteten Formalismen und Traditionen fest, ohne sich dabei auch nur im geringsten über die inzwischen veränderten Gesellschaften und deren Umfeld Gedanken zu machen. Das betrifft auch die Ausbildung, den Prüfungsstoff für Lizenznehmer und die gesamte Organisation unter den jeweiligen Dachverbänden weltweit.

    Viele, die heute noch wenigsten sporadisch ihr Funkgerät benutzen und vielleicht auch nicht allzuviel Erfahrung vorzuweisen haben, beherrschen oft nicht einmal die wichtigsten Funktionen ihres Funkgeräts und sind auch nicht imstande dessen verfügbare Rauschunterdrückungssysteme kontrolliert einzusetzen. Stattdessen wird einfach nur herumprobiert bis es eben irgendwie dann doch noch halbwegs klappt. Und warum? Weil es wohl niemanden mehr gibt, der durch seine Fachkompetenz imstande wäre eine jüngere Generation an Nachwuchsfunkern umfassend in einem entsprechenden Kurs auszubilden. Man begnügt sich lieber mit dem altbewährten Stoff mit dem schon unsere Großväter seinerzeit konfrontiert waren, und wenn das für die scheinbar gut genug war, dann erst recht für deren Enkel.

    Die endgültige Migration ins Digitalzeitalter wird somit auf der Strecke bleiben, da es nichts mehr gibt, das den Amateurfunk in irgendeiner Weise für jüngere Menschen attraktiv macht. Selbst technisch interessierte werden regelrecht abgeschreckt von der oft anzutreffenden Arroganz einiger altgedienter RO’s, von wegen Hamspirit. Das ist auch wieder einer dieser Mythen, die immer wieder über dieses Hobby verbreitet werden, tatsächlich hat man den alten „Hamspirit“ schon im 20. Jahrhundert zu Grabe getragen, nur einige wollen es eben noch immer nicht wahrhaben. Die weltweite Kommunikation findet heute längst woanders statt, ob es den Amateurfunkern nun paßt oder nicht! Wie viele alte Funker sind inzwischen schon inaktiv, weil sie krank geworden sind, im Altenheim oder Pflegeheim sitzen, oder bereits in einem Hospiz ihr Lebensende erreicht haben?

    Darüber sollten die noch aktiven unter Ihnen endlich ernsthaft nachdenken und die richtigen Schlüsse ziehen. Die totale Modernisierung des Funkwesens, oder der endgültige Untergang. Einen goldenen Mittelweg gibt es hier nicht!

    Gruß Edgar

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    • Hallo Edgar, den meisten Deiner Thesen folge ich nicht, da sie mir zu radikal sind. Ich sehe genügend Beispiele, wo mit Evolution statt Revolution Veränderung bewirkt werden kann. Ich glaube allerdings, dass der DARC sich damit schwer tut. Aber auch dort gibt es positive Beispiele.
      Gruß Uwe

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      • Uwe, Ihre positive Einstellung in Ehren, aber von Evolution kann beim gegenwärtigen Stand der Tatsachen wohl kaum mehr die Rede sein. Wenn hier kein radikaler Umdenkprozeß stattfindet, dann ist das das unausweichliche Ende des klassischen Amateurfunks und sowohl Sie als auch ich werden das noch erleben! Schon vor 30 Jahren wäre es hoch an der Zeit gewesen hier endlich etwas zu ändern, aber nein, es ist doch allemal viel billiger, wenn alles so bleibt wie es ist. Die konservative Einstellung von einem Haufen überalterter Säcke hat dazu geführt, daß nun ein jämmerlicher Restbestand versucht die im 20. Jahrhundert mühsam erkämpften Pfründe nicht auch noch unter der Last eines bürokratisch aufgeblähten EU-Monsters zu verlieren.

        Schon breiten sich in allen Erdteilen regelrechte Funkwüsten aus, Gegenden in denen niemand mehr daran denkt ein Gerät zu betreiben oder eine ordentliche Antenne in Betrieb zu nehmen. Ein Repeater nach dem anderen wird abgeschaltet, weil ihn niemand mehr benutzt. Alte Antennenleichen auf verlassenen Wohnhäusern, die verstorbene Witwe eines alten Funkers hat das Haus ihren Kindern vererbt und die wissen nichts damit anzufangen, usw. und so fort. Das mein lieber Uwe ist die Realität in der wir leben, Sie sollten wissen, daß es nicht die geringste Rolle spielt, ob irgendwelche Leute beim DARC oder der Fernmeldebehörde, oder auch sonstwo etwas anderes denken. Nur Leute, die den Mut zur Veränderung haben und daher auch etwas tun, werden am Ende etwas bewirken, alle anderen aber nicht! Diese werden sich schlußendlich mit dem begnügen müssen was ihnen bleibt.

        (PS: Leider würde es den Rahmen sprengen, wenn ich Ihnen auflisten würde, was hier alles im Argen liegt!)

        MfG Edgar

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